Grundschulen und andere Religionsvertreter

Posted: May 17, 2011 in atheismus, gesetze, unverschämtes

Wer Kinder hat und sie atheistisch erzieht, wird spätestens im Kindergartenalter mit ziemlich überraschenden Problemen konfrontiert werden.

Im ersten Kindergarten hatten wir Glück, da war Religion tatsächlich kein Thema. Vermutlich lag es daran, dass dieser städtische Kindergarten sehr multikulturell unterwegs war.

Dann zogen wir aufs Land… Mit einer Quote von 99,98% (die restlichen 2% sind mein Sohn und ich ^^) waren wir von Christen umgeben… und die waren es nicht nur auf dem Papier. Gottesdienst und Pipapo gehörte hier zu Tagesordnung. Ich habe mich bei dem neuen Kindergarten mehrmals gefragt ob neben städtischer KiGa irgendwo heimlich evangelisch stand. Es wurden nicht nur christliche Lieder gelehrt, gebetet beim Mittagessen u.s.w…. nein: die Abschlussfeier war das allerbeste. So hatte man auf dem Wisch für die Eltern mit Genuss die Teilnahme am Abschlussgottesdienst durchgestrichen und dachte damit wäre man allem aus dem Wege gegangen… Nein man wurde trotzdem von Gottesliedern vom Kindergarten verabschiedet… es gab kein entkommen.

Dann fing die Grundschule an…. Natürlich mit dem Segnungsgottesdienst, zu dem man halt einfach nicht hingegangen ist, sondern nur an der Eröffnungsfeier teilgenommen hatte. Beim ersten Elternabend, an dem die Lehrer etwas über Lehrmethoden erzählen, fragt man irgendwann als interessierte „Atheisten Mami“ ja mal nach, wie es sich mit dem Fach Religion verhält, weil von selbst bekommt man ja keine Info. Diese Grundschule hat das so geschickt geregelt, dass man sein Kind vom Fach nicht abmelden kann, denn es würde im ersten Schuljahr nur Fächerübergreifenen Unterricht geben und keinen Stundenplan. Auf gut Deutsch heißt das: Wir schieben ihrem Kind den Relikrempel heimlich unter. Mein Kind kommt also völlig verstört etwa in der Zeit des Erntedankfestes zu mir und erzählt mir von dem tollen Lied “Eine Hand voll Erde, schau sie dir an. Gott sprach einst es werde, denke daran.” Ich habe ihm dann erklärt, dass er die Stelle nicht mitsingen muss und alles war wieder gut. Solche Schoten waren natürlich an der Tagesordnung und trotz eines Gesprächs darüber mit den Lehrern, die das ja wie man dies so kennt, alles nicht so schlimm fanden, hat sich nichts daran gebessert. Ich möchte die mal sehen, wenn ich den Kindern die ganze Zeit vom tollen Koran und den was-weiß-ich-wievielen Jungfrauen im Paradies erzähle…

Nunja, der Umzug zurück in die Zivilisation steht wieder bevor und eine neue Schule. Auch hier wieder das verlogene Spiel. Man meldet sein Kind an, bei Konfession macht man einen Strich. Die Schuleiterin macht an dieser Stelle ein Fragezeichen und fragt nach in welchen Religionsunterricht das Kind den nun solle: Evangelisch oder Katholisch? ÄHHHHMMMM in keinen von beiden??? Aber leider wird keine Alternative angeboten. Alle Muslimischen Kinder sind dann im Deutschförderkurs!!!! Im zweiten Gespräch, als ich meine Bedenken dazu äußerte wie Diskriminierend und fragwürdig ich einen solchen Umgang mit dem Thema fand auch im Hinblick auf das Thema der Integration, hieß es plötzlich es gäbe noch ein paar Kinder, die dann in die Partnerklasse gehen. Wenn der Religionsunterricht aber auf die erste Stunde fiele, müssten die Kinder ohne OGS Betreuung erst später zu Schule kommen (Berufstätigkeit der Eltern ist der Schule egal, sie drohen einfach damit, obwohl sie eine Verpflichtung der Betreuung haben). Sollte es soweit kommen, wird die Schule noch viel Spaß mit mir bekommen. Das Ersatzfach Ethik kommt leider erst sehr sehr spät in der Schulzeit. Solange diese Geschichte mit Grundschulen und Religionsunterricht nicht gesetzlich geregelt, muss man tatsächlich noch um seine Grundrechte kämpfen. Wenn ich jetzt paranoid wäre, würde es mir vorkommen, als würde hier eine klare Absicht hinter stecken. Denn gerade in diesen jungen Jahren ist man sehr beeinflussbar… GRUSELIG

Was mir bei dieser Geschichte am wichtigsten ist: Man darf sich so etwas nicht gefallen lassen. Viele Eltern geben des Friedenwillens klein bei oder denken sie können sowieso nichts ändern. Aber man muss auf so etwas aufmerksam machen. Ich unterstelle den Lehren keine böse Absicht dahinter. Sie wissen es einfach nicht besser, bzw. fahren in der Mehrheit einfach ohne Probleme mit ihrer Meinung! Aber wie sollen sie die andere Seite kennenlernen, wenn niemand den Mut hat was zu sagen!

Comments
  1. Muriel says:

    Über sowas kann ich mich aufregen. Ich habe mich ja damit abgefunden, dass Repräsentanten unseres Staates öffentlich von Gottes Segen und Gebeten reden, was solls, die reden ja sonst auch nur Quark, aber in Schulen geht sowas wirklich nicht.
    Da würde ich als Elternteil auch durchaus konfrontativ werden.
    (Es sei denn, mein Sohn wäre so ein antisoziales Ekel wie ich, das Freude daran hat, sich mit anderen zu streiten. Ich persönlich bedaure rückblickend ein bisschen, dass ich nicht am Religionsunterricht teilgenommen habe.)

    • anyrei says:

      Hihi, wir hatten diesen Spaß auch im Ethikunterricht. Der bestand ja nicht nur aus Atheisten, sondern aus allem was nicht in die evangelisch oder katjolische Religion passte. Wir hatten vom Satanisten bis zu Zeugen Gehovas alles im Kurs. Das hat immer für viel Diskussion und Spaß gesorgt. Nur der Arme Zeuge Jehovas ist öfter schreiend aus dem Raum gerannt.

      Wir haben unseren Sohn gefragt, ob er sich den Religionsunterricht ansehen möchte. Aber er hat sich dagegen entschieden, weil er Angst vor dem Gruppenzwang hat (Ich binüberrascht gewesen, dass er das in seinen jungen Jahren schon so erkannt hat). Das kann ich verstehen. Mit 7 ist man auch noch nicht unbedingt so gefestigt, als das so ohne weiteres wegzustecken ist. Ich finde es auch gut wenn er erst mal was von der Welt lernt, bevor er sich mit so einem Krempel auseinander setzten muss.

  2. kraftwort says:

    Leider ist diese Wahrnehmung doch reichlich einseitig. Es gibt die umgekehrten Beschwernisse mindestens genauso. Dass der Religionsunterricht, auf den die “99,8% Christen” (auf dem Land) oder auch die kleine Minderheit von vielleicht 5 % in manchen Stadtteilen Berlins doch einen Anspruch haben, ausfällt. Oder dass zwar “Reliigonsunterricht” draufsteht, aber nur Ethikunterricht (oder nicht mal das) drin ist. Dass ein Lehrer dem Schüler, der seinen Antrag auf einen Tag Schulbefreiung wegen der Konfirmandenfreizeit abgibt gesagt wird: “Was machst Du denn da für einen Blödsinn? Das müssen wir erst mal sehen, ob wir das genehmigen können” (obwohl es einen Rechtsanspruch darauf gibt). Dass atheistische Lehrer auch sonst ihre Machtposition dafür ausnutzen, Schülerinnen und Schüler mit christlicher Überzeugung als automatisch dümmer zu diskriminieren … (was sie sich übrigens bei Muslimen oder auch Zeugen Jehovas in der Regel nicht trauen)
    Das muss man wenigstens ehrlicherweise dazusagen. Deine Erfahrungen will ich ja gar nicht bestreiten. Aber die Verallgemeinerung, man hätte es als Atheist in unserer Gesellschaft uind in den Schulen automatisch schwerer, die ist nun wirklich falsch.

    • anyrei says:

      Das mag in den neuen Bundesländern durchaus sein, was man mit der Geschichte ja leicht erklären kann. Schließlich wurde in der ehemaligen DDR, dass mit Religion anders gehand habt. Mein Punkt ist aber, dass im Grundgesetz steht, dass wir eine Religionsfreiheit in Deutschland haben. Wer in dieser Hinsicht diskriminiert wird ist hier unerheblich, weil egal wie rum: Es ist nicht in Ordnung!
      Ich spreche hier von den Erfahrungen die ich hier in NRW als Atheist mache. Und hier haben die Christen die Macht. Wir sind hier im Gegensatz zu den neuen Bundesländern in der Minderheit. Ich musste mir vom katholischen Mathelehrer auch schon anhören, dass ich nur schlecht in Mathe bin, weil ich nicht an Gott glaube. Ich meine, dass ist genauso dumm wie das mit der Konfirmandenfreizeit.
      Ich prangere nicht die Christen an, ich prangere die Diskriminierung an. Und das es keine einheitliche Regelung gibt!

    • Muriel says:

      Dass es auch Situationen gibt, in denen Christen benachteiligt werden, ist unbestritten. Und wenn Lehrer Schüler aufgrund ihrer Religion benachteiligen, ist das eine Schande. (Hier muss man aber natürlich klar von Situationen unterscheiden, in denen Lehrer bestimmte religiöse Glaubensaussagen zutreffend als falsch bezeichnen. Das gehört in meinen Augen zu ihrer Aufgabe.)
      Aber wenn Religionsunterricht in der Schule nicht erteilt wird, finde ich das nicht annähernd vergleichbar mit der Situation, dass auf ein Kind Druck ausgeübt wird, an einem bestimmten Religionsunterricht teilzunehmen.
      Ich halte staatlich organisierten Religionsunterricht sowieso für einen Fehler.

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